Heimatliebe ist (k)ein Verbrechen
Warum scheinbar harmlose Sticker nicht harmlos sind und was das mit Radikalisierung zu tun hat.
„Heimatliebe ist kein Verbrechen!“, „Du bist Deutscher! Mach was draus!“ und „Was reimt sich auf Talahon? Remigration!“. So verlautbare Sticker, die in letzter Zeit immer wieder, selbst nach mehrfacher Entfernung, in unserer Schule aufgetaucht sind. Dies mag für das ungeschulte Auge möglicherweise nicht so problematisch erscheinen. Deswegen soll hier aufgezeigt werden, woher diese Sticker kommen und weshalb diese sehr wohl ein großes Problem sind.
Eine einfache Suche mit Google Lens bringt einen direkt zur Quelle dieser Sticker. Ein Online-Shop. Auf dieser Seite finden sich noch viele weitere, ekelerregende Sticker. Die Motive, die meistens „arisch“ aussehende Menschen zeigen, sind fast ausschließlich KI-generiert und beinhalten hauptsächlich völkisch-nationalistische, rassistische, frauen- und islamfeindliche, sowie antisemitische Sprüche, die am Rande der Legalität schrammen. „Alles für Deutschland“, ein heute verbotener Spruch der Nationalsozialisten des dritten Reiches ist zwar so nie zu finden, wird aber mehrfach angedeutet. Sucht man nun im Impressum weiter, so erfährt man, dass der Inhaber der, für die Inhalte verantwortlichen, Tannwald Media UG Alexander Kleine heißt. Bei weiterer Recherche des Namens ploppen dutzende Artikel über dessen Verbindung zu der faschistischen AfD und der rechtsextremen Identitären Bewegung auf. Alexander „Malenki“ Kleine wurde von der AfD beauftragt den Winterwahlkampf der rechtsextremen Partei auf Social Media zur Bundestagswahl 2025 mit KI-generierten Inhalten zu unterstützen. Quellen dazu findet Ihr hier. Somit sind der klar rechtsextreme Ursprung und Hintergedanke der Sticker geklärt. Jetzt fragt sich noch, was Schüler*innen dazu bewegt hat diese Sticker in der Schule zu verteilen. Manche Menschen würden hier möglicherweise sagen, dass es sich nur um einen dummen Scherz oder um Unwissenheit handelt. Aber die Tatsache, dass diese Sticker nur online zu erwerben sind, was bedeutet, dass die Käufer*innen in einem Alter sein müssen, in dem sie schon die Mittel für Onlinezahlungen haben und vor allem die Platzierung der Kampfsprüche lassen etwas anderes Vermuten. Gefunden wurden sie nicht nur auf den Jungstoiletten, sondern auch auf der Tür des Sphinx Raumes oder sogar auf dem lebendigen Mahnmal unserer Schule, was eine ganz gezielte und ideologisch bestimmte Platzierung der Sticker zu vermuten gibt. Ferner steckt hinter jedem „Witz“ auch immer ein Stück Meinung und bei politischen „Witzen“ ein Stück Ideologie. Somit ist festzustellen, dass es sich hierbei nicht um einen Spaß oder eine Kleinigkeit, sondern um ein ernsthaftes Problem für unsere Schule handelt. Was der Umgang mit dieser Problematik nun sein soll, haben einige unserer Redakteur*innen die stellvertretende Schulleitung gefragt. Diese sagt zwar, dass ihnen diese Vorfälle bekannt sind, aber ein weiteres Vorgehen konnte man uns nicht nennen. Verwiesen wurde dabei nur auf Antifasticker, die vor einiger Zeit aufgetaucht sind. An dieser Stelle ist es wichtig zu erwähnen, dass die Antifa keineswegs eine linksextreme Organisation ist, sondern dass Antifaschismus eine politische Einstellung ist, mit der sich selbst der konservativste Mensch identifizieren müsste. Denn wer gegen Antifaschismus ist, ist für Faschismus. Mit gutem Beispiel positionierte sich Herr Weinand, einer der Verbindungslehrer, nachdem er von den Vorfällen erfuhr. Deswegen ist er auch Euer bester Ansprechpartner, wenn Ihr weiteres Auftauchen von rechtsextremen Inhalten findet oder Ihr einfach Fragen oder Sorgen diesbezüglich habt.
Fairerweise ist zu sagen, dass dieses Problem nicht mit einer einzigen Strafe gelöst werden kann, abgesehen davon, dass die Täter unbekannt sind. Es ist ein gesellschaftliches Problem, dass sich mit dem Begriff Radikalisierung beschreiben lässt. Die Menschen werden durch Polarisierung, die vor allem durch Social Media angefeuert wird, an die politischen Ränder getrieben, wobei der rechte Rand maßgeblich für Verbreitung von Hass und Hetze gegen Minderheiten verantwortlich ist. Dies kommt letztlich auch bei Schüler*innen an und sorgt in Schulen für solche Auswüchse wie bei uns. Die Zusammenhänge sind deutlich zu komplex, um sie hier abzubilden und finden fast schon auf einer internationalen Ebene statt. Somit ist auch von keiner einzelnen Identität zu erwarten, dass sie eine endgültige Lösung finden kann. Umso wichtiger ist es, dass es stabile Antifaschist*innen gibt, die Sticker wie diese abreisen und immer und immer wieder Gegenrede bei menschenverachtenden Äußerungen leisten. Wenn Euch das schwerfällt, dann tut Euch zusammen – das Kollektiv ist immer stärker als die Summe seiner Teile.

Titelbild: Felix Weis
