Wahl-O-Mat in Vallendar
Den Wahl-O-Mat kennen wir alle. Pünktlich zu jeder Wahl hilft er dabei, sich einen Überblick über politische Positionen zu verschaffen. Mit Blick auf die kommende Landtagswahl 2026 in Rheinland-Pfalz steht nun auch wieder ein neuer Wahl-O-Mat an. Doch wie entsteht dieser eigentlich? Genau dieser Frage möchte ich in diesem Artikel nachgehen.
Der Wahl-O-Mat wird zu jeder Wahl neu erstellt. Die Redaktion besteht aus freiwilligen Jugendlichen aus dem jeweiligen Bundesland und Expert*innen aus Wissenschaft, Journalismus und Bildung sowie der Bundeszentrale für politische Bildung und der Landeszentrale für politische Bildung. In diesem Jahr fand der Workshop vom 12. bis 14. Dezember 2025 im Haus Wasserburg in Vallendar, gegenüber der Pallottiner Vallendar, statt. Bereits am Dienstag zuvor gab es ein digitales Vortreffen, bei dem sich die Teilnehmenden erstmals kennenlernen konnten.


Dass dieses Projekt auch überregional auf großes Interesse stößt, zeigte sich während des Wochenendes deutlich: Am Freitag war Antenne Koblenz vor Ort, um über die Arbeit der Redaktion zu berichten. Am Samstag begleitete das SWR-Fernsehen den Workshop, und am Sonntag führten sowohl die Rhein-Zeitung als auch der SWR Interviews mit Teilnehmenden und Organisator*innen.
Doch wie lief das Wochenende konkret ab? Nach der Ankunft vor Ort hatten wir zunächst Zeit, uns miteinander zu vernetzen, erste Kontakte zu knüpfen und ins Gespräch zu kommen. Ein gemeinsames Warm-up sorgte anschließend dafür, dass wir nach teils langen Anreisen richtig wach wurden. Danach begann die eigentliche Arbeitsphase.
Im Vorfeld hatten wir uns in fünf thematische Gruppen eingeteilt, je nach persönlichem Interesse. Zur Auswahl standen Gruppen wie „Umwelt, Energie und Verkehr“, der ich selbst angehörte.
In diesen Kleingruppen setzten wir uns intensiv mit den Wahlprogrammen der Parteien auseinander, die dem Wahl-O-Mat-Kernteam der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) vorlagen. Besonders spannend war es zu sehen, wie viel Konsens es in manchen Bereichen zwischen den Parteien gibt – etwas, das ich so nicht erwartet hätte.
Aus ersten Ideen entwickelten sich bis zum Samstagmorgen die ersten konkreten Thesen für den Wahl-O-Mat. Diese wurden ausführlich diskutiert, überarbeitet und sprachlich präzisiert, bis sie den festgelegten Kriterien entsprachen. Jede Gruppe durfte schließlich zehn Top-Thesen auswählen, die direkt weitergeleitet wurden. Weniger geeignete, zu unklare oder wenig kontroverse Thesen wurden verworfen. Die übrigen Thesen aus dem Mittelfeld kamen im Plenum zur Abstimmung. So wurden insgesamt weitere 30 Thesen ausgewählt.


Am Ende standen 80 Thesen, die grundsätzlich für den Wahl-O-Mat infrage kommen. Doch wie geht es danach weiter? Zunächst werden alle Thesen vom Wahl-O-Mat-Kernteam nochmals geprüft, sprachlich überarbeitet und präzisiert. Anschließend werden sie an die Parteien verschickt. Diese ordnen die Thesen – wie bekannt – in Zustimmung, Neutral oder Ablehnung ein. Danach gehen die Antworten zurück an das BpB-Team, das sie erneut prüft und mit den Parteien spricht, wenn die Position und die Begründung der Parteien nicht übereinstimmen. Änderungen sind möglich, die endgültige Entscheidung liegt jedoch bei den Parteien selbst.
Zum Schluss trifft sich die Jugendredaktion noch einmal online, um die finalen Thesen auszuwählen, die tatsächlich im Wahl-O-Mat erscheinen. Mitte Februar geht der Wahl-O-Mat schließlich online und kann von allen genutzt werden.


Kleiner Einblick in die Bildungsstätte Haus Wasserburg in Vallendar
Ich empfand diese Veranstaltung der Landeszentrale für politische Bildung (LpB) und der Bundeszentrale für politische Bildung als eine großartige Möglichkeit, aktiv Teil unserer lebendigen Demokratie zu sein. Denn Demokratie lebt von Menschen, die sich engagieren und Verantwortung übernehmen. Neben der politischen Arbeit bot das Wochenende auch die Chance, viele neue Kontakte zu knüpfen – und sicherlich sind dabei auch einige Freundschaften entstanden.
Beitragsbild: Jessica Maron (LpB RLP)
