Politik

Warum gibt es immer mehr junge Rechtsextreme auf TikTok?

Deutschlandflagge an der Wand, Adler-Emoji im Benutzernamen, „L‘amour toujours“ im Hintergrund zu hören. In der Videobeschreibung steht noch „Nationalstolz ist kein Verbrechen!“. TikToks in diesem Schema werden einem immer öfters angezeigt. Woran liegt das?

Rechtsextremismus durch die AfD auf TikTok gibt es schon länger. So viel Aufmerksamkeit wie heute hat sie aber erst seit den Bundestagswahlen 2025. Damals wollten viele Menschen eine große Veränderung in der Politik sehen. Daher ist die Partei mit 20,8 % nun die zweitstärkste Kraft.Viele stufen die AfD als „normale“ Partei ein. Das ist sie aber nicht. Der Verfassungsschutz hat Teile der AfD als gesichert rechtsextrem eingestuft und nicht zu vergessen: Sie benutzt immer häufiger Begriffe wie „Remigration“. Das ändert aber nach wie vor nichts daran, dass 84% der AfD-Wähler sagen, die Partei stehe „in der politischen Mitte und nicht rechts“. 

Viele Menschen wählen die AfD wegen der Zuwanderung. Sie schürt Ängste, wie z.B. Armut oder Unsicherheit auf der Straße, und bietet eine „einfache“ Lösung an: die „Remigration“. Andere wählen sie, weil sie sehr konservativ ist. Hier habe ich nur ein paar hasserfüllte und menschenverachtende Zitate herausgesucht-es gibt noch viel mehr:

„Wer Homosexualität auslebt, dem droht eine Gefängnisstrafe…Das sollten wir in Deutschland auch machen!“ – Andreas Gehlmann, ehem. Mitglied Landtag Sachsen-Anhalt

„Das große Problem ist, dass man Hitler als das absolut Böse darstellt.“ – Björn Höcke, AfD Parteivorsitzender Thüringen

„Das Pack erschießen oder zurück nach Afrika prügeln.“ – Dieter Görnert, ehem. Vertreter der AfD im Landtag NRW

„ Immerhin haben wir jetzt so viele Ausländer im Land , dass sich ein Holocaust wieder lohnen würde.“ – Chatprotokoll Marcel Grauf, AfD

„Abschiebung der Antifa nach Buchenwald“ – Mirko Welsch, AfD

Leider könnte ich diese Liste noch sehr lange fortsetzen und nur noch mehr Mordfantasien gegenüber Migranten und anderen Gruppen aufzählen. Der Punkt ist: Viele Politiker der AfD verachten Minderheiten und Menschen mit Migrationshintergrund. Sie stellen Menschen sehr klischeehaft aufgrund eines bestimmten Merkmals unter einen Generalverdacht. Das sieht man auch auf TikTok. Man muss nur durch ein paar Videos auf dem Kanal eines AfD-Politikers scrollen, und schon hört man die Schlagworte: „Remigration“, „Heimatliebe“, „Grenzen“, „Flüchtlinge“.

In der Kommentarspalte lauter blaue Herzen, die Farbe der AfD. Nehmen wir mal Björn Höcke als Beispiel: Laut Sozialwissenschaftlern ist er Faschist, Rassist, Geschichtsrevisionist und Antisemit. D.h., er verharmlost den Nationalsozialismus. Außerdem ist er Vorsitzender der AfD Thüringen und hat mit über 125.000 Followern auf TikTok eine große Reichweite. Vor allem postet er Videos, in denen er Reden hält, meist über Migranten und die massenhaft geplante „Remigration“. Hier erkennt man, dass Höcke rechtsextreme Inhalte postet. Man kann aber nicht immer sagen, inwiefern ein TikTok-Video politisch oder sogar rechtsextrem ist. Dies erfordert eine hohe Medienkompetenz.

Weil der Übergang von memes und Lifestyle-Content zu rechtsextremen Inhalten so schwammig ist, geraten eben auch junge Menschen, die noch nicht so viel von TikTok und Algorhythmen verstehen, in die „AfD-Bubble“. Wenn man schon mal auf der Plattform war, merkt man schnell, wie sie funktioniert. Der Algorhythmus erkennt, wie lange man ein bestimmtes Inhalt-Genre guckt und zeigt dann immer mehr davon an. So landet man schnell in den sogenannten „Bubbles“. Man muss den Inhalt ja nicht einmal mögen. Als evolutionäre Fluchttiere bleiben wir bei schockierenden Bildern einfach eher hängen. Ist man dann in der Bubble, bekommt man – bewusst oder unterbewusst- permanent die gleiche Meinung aufgetischt. Das wirkt kumulativ und kann somit auch die eigene Meinung beeinflussen. Deswegen gelangen so viele Jugendliche in die rechtsextreme Szene. Außerdem entwickeln viele junge Menschen ein stolzes Zugehörigkeitsgefühl, wenn sie in die AfD-Gruppierungen auf TikTok gelangen.

Junge Menschen wissen häufig nicht, in was sie „hineingeraten“ und unterschätzen die Situation. Oft liegt das an der niedrigen Medienkompetenz oder zu wenig Aufklärung. Manchmal gibt es klare Zeichen, an denen man erkennen kann, dass der Inhalt rechtsextrem ist. Bestimmte Zahlencodes zum Beispiel, wie 18 (Adolf Hitler), 444 (Deutschland den Deutschen) oder 1919 (Waffen-SS). Man kann auch auf bestimmte Emojis achten, wie der Adler, das blaue Herz und die Deutschlandflagge. Aber generell muss man darauf achten, was man in den sozialen Medien konsumiert und sich selbst hinterfragen.

Beitragsbild: pexels

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