Allgemein

Der Einfluss von Social Media auf die Psyche

Mittlerweile nutzen rund 66 Millionen Menschen in Deutschland soziale Netzwerke wie
Facebook, Instagram und co. Das sind fast 79% der Bevölkerung. (Stand Januar 2021)1

Vor allem für Jugendliche sind sie zu einem festen Bestandteil des Alltags geworden und
aus dem Leben gar nicht mehr wegzudenken. Die sozialen Medien bieten uns die
Möglichkeit, mit anderen zu kommunizieren, uns selbst zu präsentieren und neue,
interessante Themen und Inhalte kennenzulernen. Damit beeinflussen sie zwangsläufig
auch unsere mentale Gesundheit. Besonders junge Menschen, die gerade dabei sind, zu
sich selbst zu finden und ihre eigenen Vorstellungen vom Leben zu entwickeln, werden
durch die Nutzung von Social Media in ihrer Charakterentwicklung geprägt. Die
Auswirkungen können sowohl positiv als auch negativ sein:

Im Jahr 2017 haben die RSPH (Royal Society for Public Health) und „the Young Health
Movement“ einen Bericht veröffentlicht, in dem der Einfluss von sozialen Medien auf die
mentale Gesundheit von Jugendlichen thematisiert wird. Befragt wurden junge
Erwachsene aus England im Alter zwischen 16 und 24 Jahren, weil diese Altersgruppe am
häufigsten auf Social Media aktiv ist. Der Bericht zeigt soziale Netzwerke von zwei Seiten,
er macht einerseits auf Gefahren aufmerksam und wirft andererseits auch einen Blick auf
die Möglichkeiten und Vorteile, die durch sie entstehen können.

Nachteile

Ganz klar ist: Übermäßige Nutzung von sozialen Medien kann die Psyche negativ
beeinflussen. In den letzten Jahren hat die Anzahl von psychischen Erkrankungen unter
Jugendlichen stark zugenommen, immer mehr junge Menschen leiden an Depressionen
oder Angststörungen. Daran sind die sozialen Netzwerke nicht ganz unschuldig. Sie
zeigen uns ein unrealistisches Bild vom Leben und können dazu führen, dass man
unerfüllbare Ansprüche an sich selbst stellt und zum Perfektionismus neigt. Studien legen
nahe, dass Menschen, die täglich mehr als 2 Stunden auf Social Media verbringen,
häufiger psychische Krankheiten haben und sich oft in einer schlechteren geistigen
Verfassung befinden. Das liegt vor allem an dem ständigen Vergleich mit anderen
Menschen und der daraus resultierenden Angst, nicht mithalten zu können und nicht gut
genug zu sein.2

Auch auf den Schlafrhythmus wirken sich Instagram, YouTube und andere Plattformen
aus. Denn dieser hängt oft mit der psychischen Gesundheit zusammen: Wer sich nicht gut
fühlt und sich viele Sorgen macht, kann abends nicht einschlafen. Außerdem besteht die
Gefahr einer Abhängigkeit. Manche Leute wachen mitten in der Nacht auf, um ihre
Benachrichtigungen zu prüfen, und können ihr Handy kaum noch aus der Hand legen.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Die Nutzung von Handys oder Computern am Abend
erschwert das Einschlafen, weil das Blaulicht die Ausschüttung des Schlaf Hormons
Melatonin beeinträchtigt.3

Die unterschiedlichen Plattformen wirken sich auch auf die Wahrnehmung des eigenen
Körpers aus und tragen zur Verbreitung von Schönheitsidealen bei. Gepostete Bilder sind
oft gestellt und bearbeitet, um einem bestimmten Ideal zu entsprechen. Das übt zusätzlich
Druck auf junge Menschen aus und kann schnell zu Selbstzweifeln führen, weil viele sich
mit diesen unrealistischen Darstellungen vergleichen. Beide Geschlechter sind davon
betroffen, für Mädchen ist es aber noch deutlich schlimmer. 9 von 10 jungen Frauen geben
an, dass sie unzufrieden mit ihrem Körper sind. 4

Außerdem besteht durch die verstärkte Nutzung von Social Media ein höheres Risiko für
Cyber Mobbing. Schüler interagieren dadurch nachmittags mehr miteinander und sind
auch außerhalb der Schule in Kontakt. Das bietet mehr Möglichkeiten, sich gegenseitig zu
verletzen und anzugreifen. Wahrscheinlich passiert das im Internet noch schneller als auf
dem Schulhof, da die Hemmschwelle niedriger ist. Das birgt viele Gefahren: Was einmal
gepostet wurde, bleibt meistens für immer im Internet. Es können Screenshots gemacht
und Inhalte schnell weitergeleitet werden. Man sollte sich daher immer gut überlegen,
welche Beiträge man mit anderen teilen möchte.

Vorteile

Wenn man sie richtig nutzt, können soziale Netzwerke allerdings auch nützlich sein und
sich positiv auf die Psyche auswirken.

Sie ermöglichen es beispielsweise, mit Menschen auf der ganzen Welt zu kommunizieren
und sich über persönliche Erfahrungen auszutauschen. Wenn man ein Problem hat oder
sich in einer schwierigen Situation befindet, kann es nützlich sein, mit Leuten zu
schreiben, die Ähnliches erlebt haben. 5

Ebenso kann das breiten Angebot an Inhalten dazu beitragen, den eigenen Horizont zu
erweitern und neue Dinge kennenzulernen. Junge Menschen suchen nach Inspiration,
finden vielleicht neue Hobbys und lernen sich selbst besser kennen.
Wenn man den richtigen Seiten folgt, kann man davon profitieren. So besteht z.B. die
Möglichkeit, sich über das aktuelle Geschehen zu informieren und Interesse an Politik zu
entwickeln. Die Tagesschau hat mittlerweile 3,6 Millionen Abonnenten auf Instagram (Stand
Januar 2022). Dadurch können Leute schnell auf Nachrichtenportale zugreifen und erhalten
zusätzliche Informationen über verschiedene Themen. Gerade junge Leute beschäftigen
sich sonst nicht so aktiv mit dem politischen Geschehen. Die Auseinandersetzung damit
ist jedoch wichtig für die eigene Meinungsbildung und hilft herauszufinden, welche
Themen einem selbst wichtig sind.

Des Weiteren können soziale Netzwerke zu einer offeneren, toleranteren und
respektvollen Gesellschaft beitragen. Dort werden verschiedene Gruppen und Menschen
repräsentiert, wodurch das Verständnis für Andere wächst. Viele Influencer leisten
wichtige Aufklärungsarbeit, die in der Schule oft fehlt. Sie informieren über
unterschiedliche Sexualitäten, über psychische Erkrankungen und über verschiedene
Formen von Behinderungen. So können wir uns gegenseitig besser verstehen und offener
füreinander werden. Einige Seiten versuchen die Grenzen der gesellschaftlichen Normen
zu sprengen, indem sie auf veraltete Rollenbilder aufmerksam machen und sich für
Feminismus und andere Werte und Ideen einsetzen.

Diese Entwicklung ist definitiv positiv und kann auch zu einer besseren psychischen
Verfassung beitragen. Denn dadurch legen wir Vorurteile ab und setzen uns selbst und
andere weniger unter Druck. Die eigene, individuelle Entwicklung wird wichtiger als
veraltete Ideale und strenge Rollenbilder.

Stellungnahme

Wir sehen, dass man nicht eindeutig sagen kann, ob die sozialen Medien gut oder
schlecht für unsere psychische Gesundheit sind. In der Schule wird die Nutzung solcher
Plattformen oft unter der Fragestellung „Social Media – Fluch oder Segen“ diskutiert.
Angesichts der hohen Zahl an Menschen, die diese bereits täglich nutzen, lohnt es sich
kaum noch zu debattieren, ob man auf Social Media aktiv sein sollte. Stattdessen müssen
wir wohl eher fragen, wie soziale Medien sinnvoll und effizient gebraucht werden können.
Ich sehe ganz klar das Potential, welches in ihnen steckt. Dennoch dürfen die Gefahren
nicht ignoriert werden.
Es wäre beispielsweise sinnvoll, in Schulen besser über soziale Netzwerke aufzuklären.
So könnten junge Leute lernen, welche Seiten vertrauenswürdig sind und wie man Fake
News erkennt. Gerade bei Beiträgen, welche die Gesundheit betreffen und medizinisches
bzw. psychologisches Wissen vermitteln möchten, muss man aufpassen. Es gibt zwar
viele Seiten, die über psychische Erkrankungen informieren und eine Hilfestellung für
Betroffene sein können, aber auch falsche Informationen werden schnell verbreitet.
Bitte denkt daran, dass selbst gute und wissenschaftlich fundierte Seiten kein Ersatz für
eine professionelle Therapie sind. Wenn ihr bei euch selbst oder Menschen in eurer Nähe
Hinweise einer psychischen Erkrankung wahr nehmt, solltet ihr immer professionelle Hilfe
suchen.

Wichtig ist außerdem, dass wir unser eigenes Verhalten reflektieren. Wir sollten nur Seiten
folgen, die uns unterhalten oder bereichern. Wenn wir merken, dass uns bestimmte Profile
oder ganze Plattformen nicht gut tun, können wir selbst entscheiden, sie zu löschen.
Außerdem müssen wir uns überlegen, was wir selbst posten. Lasst uns alle dazu
beitragen, dass die sozialen Netzwerke ein Ort der Bildung und gegenseitigen
Unterstützung werden.

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1 Keiser, A. (2021, September).

2 Royal Society for Public Health, Young Health Movement. (2017, Mai). S.8

3 Royal Society for Public Health, Young Health Movement. (2017, Mai). S.9

4 Royal Society for Public Health, Young Health Movement. (2017, Mai). S.10

5 Royal Society for Public Health, Young Health Movement. (2017, Mai). S.13f.

Quellenverzeichnis
Keiser, A. (2021, September). 100+ wertvolle Social-Media-Statistiken (und Demografien)
für Marketer. Hootsuite. Abgerufen am 30. Januar 2022, von
https://blog.hootsuite.com/de/social-media-statistiken/#Allgemeine_Social-Media-Statistike
n_zur_Demografie


Royal Society for Public Health, Young Health Movement. (2017, Mai). Status Of Mind.
RSPH (Royal Society for Public Health). Abgerufen am 30. Januar 2022, von
https://www.rsph.org.uk/our-work/campaigns/status-of-mind.html

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